Datenschützer hinters Licht geführt: Die elektronische Gesundheitskarte ist kein Teufelswerk

Wenn es um die elektronische Gesundheitskarte geht, bekommen Datenschützer schon bei der Erwähnung Schnappatmung. Seit den Snowden-Leaks ist die bloße Vermutung von digitaler Überwachung bitterer Erkenntnis gewichen. Die Folgen sind ein undefinierbares Gefühl der Ohnmacht und Beklemmung, da der einzelne den Überwachungsapparaten fast schutzlos ausgeliefert ist.

Zudem ahnen wir, was wir alles nicht wissen und auch nicht wissen sollen. Zusätzlich bereitet uns der Umgang der Regierung mit digitalen Themen, wie Netzneutralität und Urheberrecht, Bauchschmerzen. Wir gewinnen den Eindruck, dass dort niemand wissen will, wie wichtig uns diese Themen sind und in welcher Art und Weise wir damit umgehen wollen.

Darum liegt es nahe auch bei der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) zunächst skeptisch zu sein. Das machten sich die Gegner der elektronischen Gesundheitskarte geschickt zunutze. Sie kommen nicht aus dem Datenschutzbereich, sondern aus dem Gesundheitswesen. Es sind vor allem die kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Bundesärztekammer. Zunächst aber erst einmal zum Status Quo.

Das Projekt der eGK ist nun ca. 10 Jahre alt und beginnt erst jetzt zusammen mit dem zukünftigen eHealth-Gesetz Gestalt anzunehmen. Der erste Grundstein für zukünftige Verwendungsarten wurde mit dem Roll-out, der bundesweiten Einführung der neuen Chip-Karte, gelegt. Im Moment funktioniert die eGK ausschließlich analog zu der bisherigen Krankenkassenkarte, mit dem Lichtbild als Zusatz. Gekostet hat uns das bisher ungefähr 1 Milliarde Euro. Das sind 100 Millionen Euro pro Jahr. Der Gesundheitssektor macht im Jahr 300 Milliarden Umsatz.

Die eGK wurde entwickelt um verschiedene Zwecke zu erfüllen. Zum einen veränderte sich mit der digitalen Entwicklung auch die Speicherung und Übermittlung von Gesundheitsdaten. Dies passiert im stationären Sektor, zum Beispiel in Krankenhäusern, und im ambulanten Sektor, zum Beispiel bei niedergelassenen Ärzten. Wo früher Patientendaten auf Karteikarten in Schränken lagerten, entstanden Datenbanken auf Rechnern die in Arztpraxen und Krankenhäusern stehen. Die Güte der Sicherung dieser Daten nach außen ist aber nicht einheitlich geregelt und sehr unterschiedlich. Von den 150 000 niedergelassenen Ärzten haben manche noch nicht einmal ein Fax. In manchen Krankenhäusern existieren über 40 verschiedene IT-Systeme, so dass die Daten auf USB-Sticks und CDs durchs Krankenhaus wandern. Als IT-Verantwortlicher ist das ein nicht zu beherrschendes Chaos.

Zum anderen müssen wir uns zunehmend die Frage stellen, wie gut Patienten in Deutschland behandelt werden. Wir haben zwar viele Medikamente und leisten uns teure Behandlungen, aber welche Qualität liefern niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser tatsächlich? Um dies festzustellen bildete sich die Qualitätssicherung heraus. Aktuell erfüllt diese Aufgabe für gesetzlich Versicherte eine Gruppe von Instrumenten, wie zum Beispiel der „Strukturierte Dialog“ und die Qualitätsberichte der Krankenhäuser. Die Fortentwicklung und Auswertung obliegt dem gemeinsamen Bundesausschuss (GBA). Dieser ist es auch, der zusammen mit dem Gesetzgeber die elektronische Gesundheitskarte auf den Weg brachte. Die Infrastruktur, die hinter der eGK steht, entwickelt die Gematik GmbH. Gesellschafter der Gematik sind die gemeinsame Selbstverwaltung, also analog zum GBA, paritätisch besetzt, allerdings mit keinen Unparteiischen. Sie hat keinen Normsetzungsauftrag, ist also vergleichbar wie eine Arbeitsgruppe im GBA. Im GBA hat nur das Plenum einen Normsetzungsauftrag.

Zum GBA gehören auch die Krankenkassen. Diese könnten allein mit ihren Abrechnungsdaten bis auf die Straße genau sagen, wieviele Menschen dort an Grippe erkrankten und wie sich die Fälle von Nasenwand-Verkrümmung vermehren, wenn ein HNO-Arzt dort eine Praxis aufmacht, sie dürfen es aber nicht. Die Abrechnungsdaten der Krankenkassen sind zweckgebunden. Das heißt, sie dürfen für nichts anderes benutzt werden, also auch nicht zur Qualitätssicherung. §§ 285 bis 305 des SGB V regeln welche Daten für Qualitätssicherung benutzt werden dürfen. Jeder Datensatz muss explizit vom GBA beschlossen werden und darf auch nicht rückwirkend mit einem anderen verknüpft werden. § 299 und Beschlüsse des GBA regeln zum Beispiel den Strukturierten Dialog. Die Daten der Krankenhäuser unterliegen zusätzlich dem Krankenhausentgeldgesetz § 21 und sind zweckgebunden. Überhaupt müssen sich alle Leistungserbringer an § 28 des Bundesdatenschutzgesetzes halten.

Man muss dazu sagen, dass für die Qualitätssicherung nicht der Patient im Mittelpunkt steht, sondern die Behandler. Die personenbezogenen Patientendaten können und werden ganz am Anfang der Übertragungskette pseudonymisiert. Beim bundesweiten Krebsregister zum Beispiel wird der Bloom-Filter eingesetzt. Hierbei werden komplizierte Verschlüsselungsmechanismen miteinander verknüpft, so dass die Daten zwar individuell zur Behandlung zuzuordnen sind, aber so stark verschlüsselt werden, dass man 10 Jahre bräuchte um sie zu entschlüsseln. Zusätzlich werden die Schlüssel alle 3 Jahre gewechselt.

Die eGK kommt ins Spiel wenn wir sektorenübergreifende Langzeitbeobachtungen von Patienten machen wollen. Das ist nötig, um zum Beispiel die Sterblichkeit 5 Jahre nach einer Herzklappen-OP zu beurteilen. Also wie viele Patienten leben nach 5 Jahren noch, wenn sie im Krankenhaus XY operiert wurden? Bei den Herzklappen gibt es ein kathetergestütztes Verfahren, was 40 000 Euro kostet, und ein Verfahren bei dem am Herzen operiert werden muss. Dieses kostet 10 000 Euro. Beim kathetergestützen Verfahren wird gesagt, dass der Patient das Krankenhaus nach 3 Tagen schon verlassen kann, wogegen er bei der OP wesentlich länger bleiben muss. Jedoch wird beim kathetergestützen Verfahren die Herzklappe nur eingeklemmt und kann verrutschen, wohingegegen bei der OP die Herzklappe eingenäht wird. Es ist also wichtig herauszubekommen, wie hoch das Risiko für welchen Patienten ist.

Auf der eGK steht nichts zu den Behandlungen des Patienten. Diese Daten bleiben dort wo sie jetzt auch sind, also im Krankenhaus und beim niedergelassenen Arzt. Die Telematik-Infrastruktur ermöglicht lediglich den verschlüsselten Datenaustausch. Sie zwingt also alle Leistungserbringer, die ihre Bandlungen abrechnen wollen zu Verschlüsselung. Private Kassen haben keine eGK weil die privaten Krankenversicherungen bei der Gematik ausgestiegen sind.

Der Grund für die Blockade der eGK war die Verzögerungstaktik der KBV und der Bundesärztekammer. Man sagt die KBV kümmert sich um finanzielle Themen der Ärzte, wohingegen die Bundesärztekammer sich den ethischen Fragen der Ärzte widmet. Der Grund, dass die Ärzteschaft die eGK blockieren will, liegt darin, dass mit ihr das Behandlungsverhalten der Ärzte endlich transparent werden würde. Wir wissen zum Beispiel, dass nicht alle Ärzte nach ihrem Studium hinsichtlich Pharmazeutik dazu lernen und so oft 30 Jahre lang dieselben Behandlungen durchführen, dieselben Medikamente verordnen. Das sieht man schön bei Antibiotika. Es werden heute immer noch Breitband-Antibiotika in rauhen Mengen verschrieben, obwohl wir schon lange wissen, dass ihr Nutzen im Vergleich zum Risiko der Resistenzen begrenzt ist.

Außerdem werden auch Medikamente weiter verschrieben, die nicht mehr state of the art sind. Im Klinikbereich wurden deshalb gelegentlich klinische Pharmakologen, die Medikamente verordnen, eingeführt, wohingegen die Ärzte nur das Therapieziel vorgeben. Bei den niedergelassenen Ärzten wurde diese Idee verworfen, weil sie alleine die Therapie bestimmen wollen und Angst haben ihre Behandlungen nicht mehr ebenfalls alleine abrechnen zu können. Niedergelassene Ärzte könnten mit der eGK kontrolliert werden, so wie es bei Krankenhäusern heute auch schon zum Teil gemacht wird. Verschreibungsverhalten und Medikamente, die sich gegenseitig aufheben, könnte man erkennen. Manch älterem Menschen werden 20 Medikamente gleichzeitig verschrieben. Bisher kennen wir Wechselwirkungen höchstens von 2 Medikamenten, wenn überhaupt. Diese Kontrollmöglichkeit ängstigt viele Ärzte.

Dass die KBV und die Ärztefunktionäre das deshalb nicht wollen, sagen sie so natürlich nicht. Sie bedienen sich einer Taktik. Die weißen Ritter der Bundesärztekammer behaupten, ihnen würde es ja nur um das hehre Ziel des Datenschutzes des Patienten gehen und es würde dem Patienten ja sowieso nichts bringen. Dabei haben sie nur Angst vor Transparenz. Mit dieser Taktik fanden sie natürlich bei allen Datenschutzorganisiationen dankbare Zuhörer und wickelten sie damit um den Finger. Die Ärzte mal wieder auf weißem Ross, den Patienten verteidigend.

Aber parallel zu dieser Taktik bedienten sie sich noch einer anderen. Sie forderten jedes Jahr ein bisschen mehr von der eGK. So wurde die Forderung des Notfalldatensatzes laut, und den Organspendeausweis könnte man auch gleich mit drauf packen. So verzögerten sie die Nutzung der eGK immer weiter, weil sie immer neue Ideen. vorgeblich Wünsche, hatten. Nachzulesen ist das in den Protokollen des Bundesärztetages der Bundesärztekammer.

Die KBV als monetische Interessenvertretung niedergelassener Ärzte hingegen forderte erst die Kostenerstattung eines Lesegeräts. Als das durch war forderten sie die eines zweiten Lesegeräts, da man ja nicht immer zum Empfang laufen könne. Als das dann akzeptiert  war fiel ihnen auf, dass man auch Hausbesuche und Bereitschaftsdienste durchführen würde. Da brauchte man natürlich noch ein mobiles Lesegerät. Man darf gespannt bleiben wann der letzte Wunsch erfüllt ist, das letzte Zusatzhonorar bewilligt.

Diese Strategie kann man unendlich weiter treiben. Man kann auch kurz vor Ende einer Verhandlung noch mal die Grundfrage – Was ist eigentlich Qualität in dem Kontext? – aufmachen. Sie ist ein Meisterstück politischer Sabotage. Wir brauchen aber eine Lösung. Nicht nur für die Fragen der Qualitätssicherung, sondern vor allem für die Sicheheit unserer Patientendaten. Wenn man gesund ist, interessiert man sich vor allem für die Wirtschaftlichkeit des Gesundheitssystems. Wenn man krank ist, möchte man aber ein geringes Risiko. Zum Beispiel kann man ein Medikament ablehnen, weil es die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt. Erhöht es aber sehr wesentlich die Lebensqualität, entscheiden wir uns vielleicht doch für das Medikament.

Die Alternative nichts zu tun, anstatt eine eGK verbindlich einzuführen, ist keine Alternative, weil wir damit die Öffnung der Büchse der Pandora riskieren, die Veröffentlichung unserer Patientengeschichte. Pharmafimen und Versicherungen brennen darauf an diese zu kommen. Sind sie einmal geleakt, gibt es für die Betroffenen kein Zurück mehr und der Schaden ist angerichtet.

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Veröffentlicht in: GBA |

7 commentaires sur “Datenschützer hinters Licht geführt: Die elektronische Gesundheitskarte ist kein Teufelswerk

  1. Hallo Julia,

    in deinem Artikel stehen ein paar wichtige Punkte, aber ich denke er wird dem Thema nicht in vollem Umfang gerecht. Richtig ist tatsächlich, dass die langfristige Messung der Behandlungsqualität schwer nachzuvollziehen ist. Ich bin aber nicht sicher, ob die eGK dabei helfen kann. Wenn sie, wie du ausführst, lediglich „Datenautobahn“ sein wird.

    „Diese Daten bleiben dort wo sie jetzt auch sind, also im Krankenhaus und beim niedergelassenen Arzt. Die Telematik-Infrastruktur ermöglicht lediglich den verschlüsselten Datenaustausch“

    dann ist der Mehrwert zu existierenden Lösungen, z.B. dem KV-SafeNet eher gering, Verschlüsselter Datenaustausch ist schon heute möglich. Das ganze wird tatsächlich erst dann interessant, wenn Inhalte NICHT Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aufweisen, sondern auf Inhaltsebene durch IT-Systeme verarbeitet werden können. Siehe Arzneimittelsicherheit! Die Telematikinfrastruktur würde dafür eine einheitliche Plattform schaffen, die für sämtliche Online-Services im deutschen Gesundheitswesen EIN Sicherheitsverfahren implementiert. Das ist zugegebenermaßen im Hinblick auf die Prozesse und Spezifikation als Sicher einzustufen, aber OpenSSL war auch nicht deswegen unsicher geworden, weil das Verfahren mathematisch fehlerhaft sind, sondern weil Menschen Fehler machen und Software ab einer gewissen Komplexität immer fehlerhaft ist. Daher ist die Forderung der Piraten nach offenen Audits durch quelloffene Systeme (Whitebox Testing) der Infrastruktur geboten. Auch wird es nicht notwendig sein sämtliche Services zu zentralisieren. Es würde beispielsweise oft ausreichen, wenn die Daten mit dem Patienten in der Praxis verfügbar sind (so wie heute auch, wenn er die Akten mitbringt), für die meisten Anwendungsfälle, wo es tatsächlich darum geht Behandlungsdaten für die weitere Versorgung auszutauschen, würden also strukturierte, maschinenlesbare Daten direkt auf der Chipkarte ausreichen.

    Ich halte die Aussage, dass die TI nur verschlüsseln wird, auch für etwas kurz gesprungen. Elektronische Gesundheitsakten werden auf der Basis der eGK kommen (siehe elektronische Fallakte als einen der ersten Mehrwertdienste) und da halte ich es für geboten darüber nachzudenken, ob man die Daten sehr sehr vieler Patienten an einem Fleck haben will. Ich halte das zwar für durchaus nützlich, jedoch kann ich die Bedenken sehr gut nachvollziehen, die solche Datensammlungen verursachen.

    Das von Dir beschriebene Szenario, dass man Evidenz durch Langzeitbeobachtungen bekommen könnte, wird imo durch die eGK nicht wirklich gut bedient, da ja die Daten einzeln verschlüsselt werden und man HBA, eGK des Patienten und seine PIN benötigt, um diese auszulesen. Um also großflächige Analysen zu machen müsste man diese Daten einzeln zusammentragen (in deinem Szenario zudem ohne zentrale Gesundheitsakte), was im Vergleich zu heute vermutlich nicht viel Aufwand einspart. Etwas nützlich ist die eGK aber schon, denn die lebenslange ID, die durch die eGK eingeführt wird, kann tatsächlich helfen die Patienten zu verfolgen. Ein besonderes Feature der TI ist das aber nicht!

    Zuletzt: ich kenne die IT-Systeme von mindestens 2 größeren Krankenhäusern recht gut, das von dir beschriebene Szenario eines nicht beherrschbaren Chaos ist aus meiner Sicht nicht haltbar. Zwar gibt es „Datensilos“, innerhalb der Einrichtung sind die Datenflüsse aber koordiniert und standardisiert.

    Viele Grüße

  2. „Verschlüsselter Datenaustausch ist schon heute möglich“
    Das ist genau das Problem. Es ist möglich, wird aber nicht überall gemacht. Ich möchte nicht auf die technischen Details ein gehen, weil das den Rahmen sprengt und nicht zielführend ist. Nochmal, es werden keine Patientendaten zentral gespeicher. Das ist einfach nicht der Fall.

    Ich möchte nur so viel sagen, dass wir in der QS im GBA den Nutzen der eGK durchaus abschätzen können und auch die Grenzen der bisherigen Instrumente kennen.

    „Zuletzt: ich kenne die IT-Systeme von mindestens 2 größeren Krankenhäusern recht gut, das von dir beschriebene Szenario eines nicht beherrschbaren Chaos ist aus meiner Sicht nicht haltbar. Zwar gibt es “Datensilos”, innerhalb der Einrichtung sind die Datenflüsse aber koordiniert und standardisiert.“

    Da muss ich dir leider widersprechen. Das skizzierte Szenario habe ich mir nicht ausgedacht, sondern ist bittere Realität. 2 Krankenhäuse zu kennen ist leider nicht repräsentativ.

  3. Hi Julia,

    „Nochmal, es werden keine Patientendaten zentral gespeicher. Das ist einfach nicht der Fall“

    Es sind Mehrwertdienste vorgesehen. Diese Mehrwertdienste (z.B. auf Basis von IHE XDS) werden Daten logisch zentral vorhalten. Ich habe die Fallakte als Beispiel genannt (http://www.fallakte.de/aktuelles/16-gematik-setzt-efa-als-mehrwertdienst). Das können am Ende verschiedene Anbieter sein, aber durch die zentralisierte Sicherheitsinfrastruktur schafft man ein einheitliches Datenschutzrisiko.

    „Ich möchte nur so viel sagen, dass wir in der QS im GBA den Nutzen der eGK durchaus abschätzen können und auch die Grenzen der bisherigen Instrumente kennen.“

    Dann erläutere das bitte konkret, ansonsten ist die Aussage nicht hilfreich für die Diskussion.

    „Da muss ich dir leider widersprechen. Das skizzierte Szenario habe ich mir nicht ausgedacht, sondern ist bittere Realität. 2 Krankenhäuse zu kennen ist leider nicht repräsentativ.“

    Du hast geschrieben, dass es nicht zu beherrschen ist. Doch, ist es. Und die eGK wird genau 0% dazu beitragen, weil es mit dem Problem genau gar nichts zu tun hat.

    • „“Ich möchte nur so viel sagen, dass wir in der QS im GBA den Nutzen der eGK durchaus abschätzen können und auch die Grenzen der bisherigen Instrumente kennen.”

      Dann erläutere das bitte konkret, ansonsten ist die Aussage nicht hilfreich für die Diskussion.“

      Dazu müsste ich dir die komplette QS erklären und alles was ich bisher darüber gelernt habe. Das kann ich hier nicht leisten.

      „Du hast geschrieben, dass es nicht zu beherrschen ist. Doch, ist es. Und die eGK wird genau 0% dazu beitragen, weil es mit dem Problem genau gar nichts zu tun hat.“

      Ohne einem Zwang von außen, ändert sich bei besagten Krankenhäusern nichts. Weil IT nicht Chefsache ist. Die eGK kann diesen Zwang herstellen.

  4. „Dazu müsste ich dir die komplette QS erklären und alles was ich bisher darüber gelernt habe. Das kann ich hier nicht leisten.“

    Es würde mir schon reichen, wenn du beschreibst, welche Rolle die Karte spielt. Einen QS-Marker auf die Karte aufzuspielen sollte drin sein (braucht aber auch keine TI). Was braucht es noch?

    „Ohne einem Zwang von außen, ändert sich bei besagten Krankenhäusern nichts. Weil IT nicht Chefsache ist. Die eGK kann diesen Zwang herstellen.“

    Auch mit der eGK wird IT nicht Chefsache. Vielleicht, wenn Qualität eine höhere Gewichtung findet und schlechte IT (= schlechte Dokumentation) auf einmal Geld kostet. Das würde ich durchaus begrüßen.

  5. Wer das völlig unkontrollierte KV-Safenet akzeptiert kann ab dann nicht mehr glaubwürdig gegen die eGK argumentieren. Ein Rest von Logik darf verlangt werden.

    Wer den Unterschied zwischen beidem nicht kennt muss erst mal nachsitzen.

  6. Hallo Julia,

    zunächst erstmal ein Dank für diesen Artikel. Dadurch lässt sich besser diskutieren als via Twitter.

    Ich möchte meine Antwort dreiteilen. Zunächst möchte ich nochmal meine Bedenken erläutern. Dann Zusammenfassen, was ich aus deinem Artikel gelernt habe und zuletzt diese beiden Aspekte zusammenführen:
    1) Meine Bedenken
    Hier sind wir uns in Bezug auf die „Büchse der Pandora“ weitestgehend einig. Ich möchte verhindern, dass meine Gesundheitsdaten an Pharmafirmen, Versicherungen, Banken und insb. an dubiose staatliche Institutionen wie den BND oder den Verfaschungsschutz gehen. Wenn man sich z.B. das Verhalten der Regierung in Bezug auf die aktuelle Datenschutznovelle auf EU-Ebene anschaut, dann brauche ich diese Bedenke nicht weiter erläutern?!
    In Bezug auf die eGK ist hier mein Hauptbedenken insb. der zentrale Zugriff auf meine Daten ohne meine Kontrolle.

    2) Was ich aus deinem Artikel lerne
    Die 3 wesentlichen Argumente FÜR eine Gesundheitskarte die ich dem Artikel entnehme sind:
    a) Die (sichere) Speicherung und Übermittlung von Gesundheitsdaten
    b) Die Qualitätssicherung (Konkret: Kontrolle von Ärztenverhalten)
    c) Kontrollmöglichkeit bei einer Behandlung (Alle Daten verfügbar)

    Wesentliches Argument gegen meine Bedenken ist:
    d) Keine Zentrale Speicherung der Daten

    3) Meine Schlussfolgerung daraus
    * Die sichere Speicherung und Übermittlung von Gesundheitsdaten (2a) ist ein sinnvolles Ziel. Hierfür brauche ich eine geeignete Infrastruktur bei – und zwischen – den Leistungserbringern. Sehe ich sofort ein. Bin ich sofort dafür. Dafür ist jedoch keine eGK notwendig. Dieser Aspekt dürfte relativ unstrittig sein. Dafür braucht es lediglich eine Ende-zu-Ende Verschlüsselung und ein einheitliches Format der Daten, damit es auf beiden Seiten lesbar ist.
    Der Rest ist rechtliches Rahmenwerk, dass die Leistungserbringer dazu zwingt, dieses Verfahren auch zu nutzen.

    * Die Qualitätssicherung (2b) kann ich nicht erkennen. Entweder die Daten sind – wie von dir mehrfach gesagt (2d) – nicht zentral zugreifbar. Dann ist diese Art der Qualitätssicherung schlicht und einfach nicht möglich. Oder sie sind zugreifbar. Dann ist dein zentrales Argument gegen meine Bedenken kaputt. Bitte erkläre mir hier nochmal wie es (technisch) möglich sein soll, die nötigen Daten zu gewinnen OHNE eine zentrale Zugriffsmöglichkeit auf (bzw. Übermittlung von) Patientendaten zu haben.

    * Die Qualität der Behandlung zu erhöhen (2c), indem man sicherstellt, dass alle Daten verfügbar sind (elektronische Fallakte), ist eine wünschenswerte Funktion, solange sichergestellt ist, dass diese Funktion _echt_ freiwillig erfolgt und es sich auch nur um einen einzelnen Fall handelt.

    Fazit:
    Sichere Infrastruktur macht Sinn. Darüber brauchen wir nicht zu diskutieren.
    Das Ziel einer elektronischen Patientenakte mit Hilfe der eGK ist für mich nach wie vor deutlich erkennbar, auch wenn es inzwischen nicht mehr offen hingeschrieben wird. Das ist auch sinnvoll, da es ohne diese nur wenige Vorteile einer eGK gibt. Der Kern des Pudels wird der Zugriff auf diese Daten sein. Auch nach deiner Argumentation kann ich nicht erkennen, wie ein unberechtigter Zugriff auf diese Daten verhindert wird (bzw. durch mich verhindert werden kann).

    Zwischen den Zeilen lesend, vermute ich, dass es auf eine Abwägung zwischen Qualitätssicherung und Datenschutz hinausläuft. Wenn dem so ist, dann möchte ich dies aber auch gerne so benannt haben. Wie oben schon gesagt, verstehe ich nicht, wie diese beiden Aspekte durch eine eGK mit einem besseren Ergebnis als heute vereinbart werden sollen.

    viele Grüße
    0+1

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